Perspective Meet-Up Forvis Mazars

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Ethik unter Druck: Warum gute Menschen schlechte Entscheidungen treffen

Wie fördern Führungskräfte eine offene und ethische Unternehmenskultur? Und was haben sie davon? Dieser Frage widmete sich Forvis Mazars, Platinpartner von Lucerne Dialogue, an einem anregenden Meet-Up am 16. September 2025.

Eine Führungskraft begeht auf dem Firmengelände Fahrerflucht und wird von einem Mitarbeitenden dabei beobachtet. Kurz darauf entscheidet diese Führungskraft über eine Beförderung jenes Mitarbeitenden. Was tun? Den Vorfall melden, ihn herunterspielen oder schweigen? In diesem moralischen Dilemma zeigt sich, wie es mit der Unternehmenskultur bestellt ist.

Kultur ist ein Führungsinstrument

Integrität ist nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich sehr relevant. Sie ist Kapital und Kompass in Zeiten von Vertrauensverlust, gesellschaftlicher Polarisierung und wachsendem Führungsdruck. Doch es ist nicht damit getan, ein paar Leitsätze auf ein Whiteboard oder in einen Verhaltenscodex zu schreiben. Integrität muss täglich vorgelebt werden. »Eine Unternehmenskultur ist wie ein Baum. An morschen Ästen hängen schlechte Äpfel«, so Matthias Kiener, Leiter Forensic und Partner bei Forvis Mazars.

Entsprechend ist destruktives Verhalten von Mitarbeitenden nicht isoliert zu betrachten. So verwiesen Urs Baumeler, Chief Compliance Officer der SBB, und Prof. Dr. Patrick Boss von der ZHAW im Fireside-Chat darauf, dass gemäss Studien Persönlichkeit und Verhalten der direkten Vorgesetzten zu gleichen Teilen für kontraproduktives Verhalten verantwortlich ist. Sie sollten zudem sensibilisiert sein auf Faktoren wie hohe Absenzenraten, die als Frühindikatoren für schwindende Motivation und damit steigende ethische Risiken gelten.

Haltung zeigen, auch wenn es unangenehm wird

Wer ethisches Verhalten will, muss es möglich machen: u.a. durch Vertrauen, erreichbare Ziele und eine offene Kommunikationskultur. Entscheidend ist dabei das volle »Buy-in« von Geschäftsleitung, Verwaltungsrat und Führungspersonen auf allen Hierarchiebenen. Sie müssen Integrität vorleben, auch wenn es hart auf hart kommt. Sie müssen unbequeme Antworten aushalten und Offenheit fördern im Wissen, dass der ROI gelebter Kommunikationskultur ein langfristiger ist. Und sie müssen loben. «Tue Gutes und sprich darüber»: Positive Beispiele schaffen den narrativen Raum, in dem ethisches Verhalten zur Selbstverständlichkeit wird.

Was Leader sofort umsetzen können

Welche Massnahmen können Führungskräfte unmittelbar ergreifen, um am Puls ihrer Kultur zu bleiben? Hier brachten die Gruppengespräche reiche Ernte. Voraussetzung sei echtes Interesse an den eigenen Mitarbeitenden und dass man sich als Führungsperson aktiv Zeit nimmt, Themen zu adressieren. Weitere Impulse reichten von Transparenz in puncto Werten und Erwartungshaltung über die Pflege eines bewusst positiven Menschenbilds bis hin zu einem Vertrauensvorschuss gegenüber Mitarbeitenden und dem Gewähren von Handlungsfreiräumen. Das klingt anstrengend. Doch Kulturarbeit ist kein «Nice to have», sondern eine langfristige strategische Investition, die auf die Unternehmensleistung einzahlt.

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Viktoria Hug

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