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Angesichts wachsender Polarisierung, Unsicherheit und der Verbreitung von Desinformation steht Europa am Scheideweg. Umso wichtiger ist eine Kommunikation, die Menschen erreicht, einbin-det und befähigt. C4D ist dabei ein wirkungsvolles Instrument: Es ermöglicht lokalen Gemeinschaf-ten in Europa und weltweit, mit Entscheidungsträger:innen in den Dialog zu treten und ihre Anlie-gen einzubringen. So können auch besonders verletzliche Gruppen ihre Sorgen äussern und dadurch politische Programme und Massnahmen mitgestalten, die mehr Gleichberechtigung und Lebensqualität fördern.
UN-Organisationen und internationale Entwicklungsakteure nutzen C4D seit Jahren erfolgreich. Mit diesem Ansatz lassen sich soziale und Verhaltensänderungen anstossen und ein widerstands-fähiges Medien- und Kommunikationsumfeld schaffen. Als Kommunikationsspezialistin für UN-Organisationen (WHO, UNDP) und NGOs (Save the Children, Jugendorganisationen in der Ostukra-ine) habe ich selbst erlebt, wie wirkungsvoll Kommunikationsmassnahmen positive Veränderungen bewirken können. Besonders in den Bereichen Umwelt und Gesundheit erweist sich der C4D-Ansatz als wertvoll.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt Kommunikation gezielt ein: um Gesundheitsinfor-mationen für die Bevölkerung bereitzustellen und gleichzeitig Behörden sowie Entscheidungsträ-ger:innen mit fachlicher Expertise zu unterstützen. Das Ziel ist universelle Gesundheitsversor-gung: Alle Menschen sollen Zugang zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsdiensten haben, wann und wo immer sie diese benötigen, und zwar ohne finanzielle Hürden.
In der Ukraine nutzt die WHO C4D in zahlreichen Aktivitäten. Dazu gehören zielgerichtete Infor-mationskampagnen, Community Listening, Vorsorgeinitiativen, Studien zu Verhaltens- und Kul-turmustern sowie Aufklärungskampagnen etwa in der öffentlichen Gesundheit oder bei Impfungen. So wird sichergestellt, dass wichtige Botschaften diejenigen erreichen, die sie am dringendsten brauchen.
Ein Beispiel aus dem Jahr 2024: Die WHO führte eine landesweite Aufklärungskampagne zur Re-duktion des Tabakkonsums durch. Zielgruppe waren Raucher:innen im Alter von 35 bis 59 Jahren. Die Kampagne vermittelte Informationen über die Risiken des Rauchens, die Vorteile eines Rauchstopps und die kostenlosen Unterstützungsangebote professioneller Hilfe. Über Social Me-dia, visuelle Materialien, Video- und Audio-Testimonien ehemaliger Raucher:innen, klassische Medienarbeit und digitale wie analoge Werbeformate erreichte die Initiative ein breites Publikum – und setzte so gezielt auf Verhaltensänderung.
Auch im Umweltbereich entfaltet C4D Wirkung. In der Ukraine ist es nach wie vor üblich, im Früh-jahr und Herbst organische Abfälle, Laub oder landwirtschaftliche Rückstände zu verbrennen – mit erheblichen Folgen für Umwelt und Gesundheit. Da Strafen und rechtliche Verbote allein nicht ausreichen, startete das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) ein innovatives Projekt: die «Don’t Burn – Compost»-Challenge. Ländliche Gemeinden wurden ermutigt, Feuer-stellen mithilfe digitaler Tools und Satellitendaten zu erfassen und ihre Ergebnisse auf einer Onli-ne-Karte einzutragen. Nach Gesprächen mit den Gemeinden setzte UNDP auf Kompostierung als nachhaltige Alternative und förderte diese Lösung mit einer Kommunikations- und Aufklärungs-kampagne nach dem C4D-Ansatz.
C4D ist damit weit mehr als ein Werkzeug der Entwicklungs- und Nothilfe. Es kann auch für Politik und Verwaltung zu einem kraftvollen Instrument werden: um Gesellschaften einzubeziehen, ihre Probleme kennenzulernen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Das stärkt nicht nur die De-mokratie, sondern auch Europa insgesamt.
Disclaimer: Die in diesem Beitrag geäusserten Ansichten sind die der Autorin und decken sich nicht zwingend mit den Positionen der Weltgesundheitsorganisation, des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, Save the Children oder anderer Organisationen, mit denen die Autorin verbunden ist.
Iryna Tarnavska ist Kommunikationsbeauftragte der WHO in der Ukraine. Sie verfügt über langjäh-rige Erfahrung in der strategischen Kommunikation im humanitären und Entwicklungsbereich – etwa bei UNDP, Save the Children und Jugendorganisationen in der Ostukraine. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Ansatz «Communication for Development» (C4D), den sie besonders in den Bereichen Gesundheit und Umwelt erfolgreich einsetzt, um Gemeinschaften wirksam zu mobi-lisieren und politische Entscheidungsträger zu beeinflussen.
UN Inter-agency publication, ‘Communication for Development: Strengthening the Effectiveness of the United Nations’, 2011. Available here.