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Blueprint Poland: die Friends-Reise 2026 nach Warschau

Nirgends in Europa liegen geopolitisches Risiko und wirtschaftliche Dynamiken so nah beieinander wie in Polen. Die Friends-Reise nach Warschau widmete zwei Tage diesem Spannungsfeld zwischen Politik, Wirtschaft und Sicherheit.

Als EU- und NATO-Mitglied an der Ostflanke Europas verbindet Polen industrielle Stärke mit Innovationsdrang, vor allem bei Nearshoring, Digitalisierung, dem Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten und Verteidigungstechnik. Letztes Jahr hat das Land erneut einen populistischen Präsidenten gewählt, was Fragen zu Rechtsstaatlichkeit, Investitionssicherheit und europäischer Integration zusätzlich Gewicht gibt. Vom 9. bis 11. September 2026 reisten Friends-Mitglieder nach Warschau, um vor Ort zu erleben, wie das Land seine wirtschaftliche, technologische und sicherheitspolitische Neuausrichtung vorantreibt.

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Zwei Blickwinkel zum Auftakt


Der erste Tag begann mit Standortbestimmungen aus erster Hand: Olaf Kjelsen, Schweizer Botschafter in Warschau, ordnete die Lage aus Schweizer Sicht ein. Agnieszka Homańska, Kabinettschefin des polnischen Aussenministers Radosław Sikorski, ergänzte die polnische Perspektive in einem sehr offenen und engagierten Austausch mit unseren Friends. Ein Grundsatz zog sich durch das Gespräch: Signale vom Rauschen unterscheiden. Russland ernst nehmen, ohne es für allmächtig zu halten. Was wir mitnahmen: tiefe Einblicke in ein Land, das sich seit dem Ende des Kalten Krieges klare Ziele gesetzt (NATO-Beitritt, EU-Beitritt, Aufnahme in die G20, Bekämpfung der Korruption) und sie mit langem Atem verfolgt hat. Polens Aussenpolitik verfolgt diesen Kurs bis heute bewusst weiter mit dem Ziel, in europäischen Angelegenheiten mitzuentscheiden.

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Politik zwischen Erneuerung und Gegenwind
 

Beim gemeinsamen Mittagessen gab Rafał Riedel, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Opole, den Friends einen unverstellten Einblick in Polens politische und gesellschaftliche Realität. Polen bewegt sich im Spannungsfeld zwischen demokratischer Erneuerung und populistischem Gegenwind, ein Muster, das sich in weiten Teilen Europas wiederfindet. Zudem wies Riedel noch auf das für Schweizer Ohren kuriose «Winkelriedsyndrom» («Winkelriedyzm») hin: Polens Drang, sich aufopferungsvoll und quasi in Vorleistung zu seinen europäischen Nachbarn einer östlichen Bedrohung entgegenzuwerfen.
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Wie also entsteht aus dieser Ausgangslage wirtschaftliche Stärke?

Diese Frage erörterten Paweł Panczyj, Managing Director von ABSL Poland, Mariusz Mulas, Roche Polska und Dr. Małgorzata Bonikowska, Präsidentin des Centre for International Relations. Seit 1989 hat die polnische Wirtschaft mehrere fundamentale Transformationen durchlaufen, am sichtbarsten in der Business-Service-Industrie, die sich von einfacher Kostenersparnis zu Kompetenz und Innovation weiterentwickelt hat. Die anstehende KI-Transformation wird deshalb weniger als Bedrohung denn als Chance verstanden. Polen positioniert sich zunehmend als Nearshoring-Drehscheibe Europas, mit industrieller Substanz, gut ausgebildeten Fachkräften und stabilen Lieferketten. Für Schweizer Unternehmen, die ihre Wertschöpfungsketten robuster aufstellen wollen, ist das ein Markt mit zunehmender Bedeutung.
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Der Preis der Sicherheit

Das Bewusstsein für die Bedrohung durch Russland war während der ganzen Reise spürbar, in Gesprächen über Politik ebenso wie über Wirtschaft. Am zweiten Tag rückte daher das Thema Sicherheit in den Fokus. Experten der Casimir-Pulaski-Stiftung, unter ihnen Tomasz Smura, Sławomir Florek, Maciej Dachowski und Maciej Bukowski, sowie Kriegsberichterstatter Tim Mak beleuchteten die militärischen und technologischen Realitäten an Europas Ostflanke. Für sie gehören Sicherheit und Wohlstand zusammen: Verteidigung, Wettbewerbskraft, Energiesicherheit und industrielle Kapazität sind eng verzahnt.
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Tim Mak schilderte, wie die Ukraine unter Druck Innovation beschleunigt. Sie hat Hierarchien abgeflacht, Teile der Beschaffung dezentralisiert und Entwickler:innen nahe an die Frontverbände gebracht. Die Experten der Pulaski-Stiftung warnten zugleich vor dem Kurzschluss, Drohnen würden konventionelle Streitkräfte ersetzen. Moderne Abschreckung braucht beides.

Die viel beschworene Resilienz hat ihren Preis, doch es lohnt sich, in sie zu investieren. Im Anschluss diskutierten die Friends, was dies für europäische und Schweizer Unternehmen bedeutet – von der Risikobewertung über Standortentscheide bis zu strategischen Partnerschaften – und was sie von der ukrainischen Innovationskultur lernen können.

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Zu Besuch bei der WB Group


Das Highlight des Nachmittags war der Besuch bei der WB Group, Polens grösstem privatem Rüstungsunternehmen. Adam Bruliński, Berater des Vorstands von WB Electronics, stellte ein Unternehmen vor, das unbemannte Flugsysteme, militärische Elektronik sowie Führungs- und Aufklärungssysteme entwickelt. Was am Vormittag noch auf Folien und in Diskussionen abstrakt blieb, erhielt durch die Modelle im Showroom ein Gesicht. Besonders aufschlussreich war der kurze Weg von der Entwicklung ins Feld: Systeme werden unter realen Bedingungen eingesetzt, liefern Daten und werden laufend verbessert. Polens Sicherheitsindustrie ist längst ein eigenständiger, innovationsgetriebener Wirtschaftszweig.
 

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Ein letzter Gedanke: Resiliente Transformation als Kompass

Am Ende der Reise bleibt vor allem eine Erkenntnis. Polen ist kein Blueprint, der sich einfach kopieren lässt, aber ein Proof of Concept: der Beweis, dass ein europäisches Land seinen Kurs innerhalb einer Generation grundlegend ändern kann. Polens Aufstieg ist kein Zufall. Er ist das Resultat einer nationalen Anstrengung, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft trotz schwieriger äusserer Rahmenbedingungen gemeinsam getragen haben.

Wenn Europa etwas von Polen lernen kann, dann dies: Wandel ist kein Ausnahmezustand, sondern der Normalfall. Nichts verläuft genau nach Plan, Störungen gehören dazu. Resilienz heisst, schneller zu lernen und sich anzupassen, als sich die Umstände verändern, durch Dezentralisierung, Iteration, Improvisation und stetige Verbesserung. In der Wirtschaftsrunde fiel dafür der Begriff «resiliente Transformation». Polen sieht sich dabei weniger als Land der grossen Erfinder denn als eines der besten Verbesserer: Man hinterfragt, erkennt Ineffizienzen und optimiert laufend. Zudem setzt sich das Land greifbare Vorbilder – in den 1990er-Jahren Japan, heute zunehmend Südkorea, wie Bonikowska erläuterte.
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Bemerkenswert ist dabei die Kombination aus wachem Bewusstsein für Bedrohungen und gleichzeitig ungebrochenem Vertrauen in die eigene Zukunft – ein Kontrast zu Teilen Westeuropas, wo Pessimismus und mangelnde Vorbereitung oft Hand in Hand gehen. Zugleich hat das Modell Grenzen: Das Geld für die Verteidigung fehlt anderswo, und Staat und Wirtschaft arbeiten noch wenig zusammen. Das Lernen geht in beide Richtungen: Polen kann von erprobten Formen der Zusammenarbeit in Westeuropa profitieren, Westeuropa von Polens Dringlichkeit und Ambition.
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Das weist über Polen hinaus: Handlungsfähigkeit entsteht aus Ambition und Vorstellungskraft, nicht nur aus der Verteidigung des Status quo. Polen zeigt, dass eine positive Vision der Zukunft selbst zum strategischen Vorteil werden kann: für ein starkes Europa, das Verbindungen knüpft, statt sich abzuschotten.

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Neugierig auf 2027?

Nächstes Jahr führt die Friends-Reise in die Niederlande. Erleben Sie vom 15. bis 17. September 2027, wie eine der offensten Volkswirtschaften Europas Handel, Innovation und Nachhaltigkeit miteinander verbindet.
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Zur Person

Viktoria Hug

Head of Communication, Lucerne Dialogue

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